Ehemalige Steige und vergessene Wege in und um Summerau - Teil 2

Ehemalige Steige und vergessene Wege in und um Summerau - Teil 2.

In Fortsetzung zu unserem Beitrag Teil 1 über den Kirchensteig Bahnhof (Steig Nr.1) möchten wir hier die nördlich hinter den Summerauer Dorfhäusern verlaufende, zusammenhängende Steigverbindung vom „Froscherbaun“ im Unterort bis zum Auerberg im Oberort sowie den Weg/Steig Auerberg vorstellen und in der beiliegenden Karte 1-5, mit Nummern versehen, darstellen.

Wie im Teil 1 unserer Beschreibungen über ehemalige Steige und vergessene Wege in und um Summerau angeführt, sind die Straßen bis in die 1960er Jahre einen großen Teil des Jahres schmutzig und morastig sowie im Winter oft schlecht geräumt gewesen. Egal ob für den Gang zu Nachbarn, in das andere Dorfende, in Nachbarorte, zur Schule oder in die Kirche, waren die alten Steige und Feldwege die komfortabler zu gehende und meist auch kürzere Wegverbindung. Dorfsteige verliefen meist knapp hinter den Häusern, sodass sie von diesen aus leicht erreicht werden konnten. Und natürlich haben auch damals schon die Grundeigentümer nicht jeden willkürlich begangenen Abkürzungssteig zugelassen. Konnten doch daraus nebst dem Flurschaden auch durchaus „ersessene“ Gehrechte abgeleitet werden.

Nr.2 - Der Dorfsteig Unterort
Dieser Steig begann ganz unten im Unterort. Vom „Froscherbaun“ (Unterort Nr.47) kommend, bog er nach dem ehemaligen Holzhaiderschuster (alt: Summerau Nr.70) von der Straße nach links, bis fast auf die Anhöhe hinter dem Holzhaider, und verlief dann hinter den Häusern dorfwärts weiter. Zwischen „Gloisner“ (Unterort Nr.36) und „Ilg“ (Unterort Nr.30) mündete in den Steig ein von der ehemaligen „Maschinenhütte“ der Ortsgemeinschaft
kommender Zugangssteig. Diese hölzerne Unterstellhütte gab es bis 1970, wo heute die Straße nach Eibenstein von der Dorfstraße abbiegt. Die Hütte diente zum Unterstellen dorfeigener Geräten wie die Gemeinschaftsdreschmaschine, eine Scheibenegge und eine Brechmühle.
Der "Unterort Steig" aber verlief hinter den Häusern „Ilg“, „Ries“ (Unterort Nr.28 - auch „Schwarzer Handlbauer“ genannt) und dem ehemaligen „Brandstetter“ (alt: Summerau Nr.25 - ca. 1980 abgetragen) zum großen Baum hinter dem „Wagner“ (Unterort Nr.24) weiter. Von hier weiter zum „Röbl“ (Unterort Nr.22) und nach einem kurzen Stück den „Röbl Weg“ Richtung Dorfstraße wieder ostwärts hinter den Häusern „Handlbauer Häusl“ und „Handlbauer“ (Unterort Nr.18 und Nr.16). Weiter nördlich der „Kodl“ Wagenhütte“ (heute Leitner Unterort Nr.14) und mündete hier in den „Kodl Steig“ (Steig Nr.3) ein.
Dieser "Dorfsteig Unterort" existiert schon seit den 1960er Jahren nicht mehr und ist in der Landschaft auch kaum noch nachvollziehbar.
Laut Erzählungen war dieser Steig bis dahin ein bekannter, viel frequentierter Wegabschnitt im Dorf. Etwa für „Unterortler“ zur Straße nach Rainbach oder weiter in den Oberort zum Auerberg. Aber auch für Verwandtschaftsbesuche von Familien aus dem heutigen Ortsteil Mitte zu ihren Verwandten im Kralik-Wächterhaus (alt: Summerau Nr.75) auf der anderen Seite der ehemaligen Zulisser Eisenbahnübersetz.

Nr.3 - Der Kodl Steig
Der relativ kurze "Kodl Steig" hatte seinen Ausgangspunkt auf der Dorfstraße gegenüber dem „Wagnerschusterhaus“ (Unterort Nr.15) und ging schräg nach Nordosten, im Westen zum hinteren „Kodl“ Mauereck“ (Unterort Nr.14.). Dann südlich der „Kodl“ Wagenhütte bis hier der Unterortsteig (Steig Nr.2) einmündete. Die beiden Steige verliefen ab hier gemeinsam hinter den Häusern „Hofer“ (Unterort Nr.12), Leitner (Unterort Nr.10), Katzmaier (Mitte Nr.47) und an der „Moaschneider Marter“ vorbei, bis zum Reindl (Mitte Nr.44). Hier mündeten die Steige in die heutige Straße nach Rainbach.
Ich kann mich noch erinnern, wir Volksschulklassler haben uns bei dieser Einmündung immer zum gemeinsamen Schulgang getroffen. Bei sehr schlechtem Wetter oft in der Hoffnung, beim „Moaschneider“ mit dem Rossfuhrwerk oder mit dem Kleinlastwagen des „Böhm-Tischlers“ nach Rainbach mitfahren zu dürfen.
Der östliche Teil dieses „Kodl“ Steiges ist durch Siedlungsbauten später zur Straße umgewidmet worden und bis 2019 nutzten noch viele Fußgeher den Steig als Abkürzung zum Elternhaus, zum Tennisplatz oder zum Wirt, der „Tennisalm Schneiderbauer“. Durch Neubauten im Westteil ist dieser Steig heute nicht mehr begehbar. Wo einst der "Kodl" Steig in die Straße nach Rainbach einmündete, gab es damals für Fußgeher einen weiterführenden Steig, der Oberortsteig (Steig Nr.4).

Nr.4 - Der Oberortsteig
Als Verlängerung des „Kodl Steiges" war der Oberortsteig der östliche Teil des nördlichen Gesamtsteiges vom Ortsende Unterort zum Ortsende Oberort und dem Auerberg. Er ist einer der ganz vergessenen Steige.
Wo der „Kodl“ Steig (Steig Nr.3) in die Straße nach Rainbach einmündete (etwa Reindl - Mitte Nr.44), hat der Oberortsteig begonnen. Man hatte auf der Straße ein kurzes Stück südwärts Richtung Kapl Kurve zu gehen, um dann nach links, Richtung Oberort, abzubiegen. Von hier ist man nördlich hinter den Häusern, schräg über die Hausgründe, bis hinter das ehemalige „Altrichter Häusl“ (alt: Summerau Nr.49 – ca. 2000 abgetragen) gegangen. Dann weiter querfeldein, bei Hauswegen mehrmals versetzt, in unterschiedlichen Schrägen, über die weiteren Oberortgründe bis hinter das einstige „Inspektorhaus“ (alt: Summerau Nr.54 – nach 2000 abgetragen). Dann südwärts ein kurzes Stück auf dem „Schlechtl“-Weg zur Oberortstraße und auf dieser weiter nach Osten bis zum Auerberg.
Der Oberortsteig wird schon seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr begangen und ist in der Landschaft auch nicht mehr erkennbar. Nur im Spätherbst kürzen noch vereinzelt Bewohner des Ortsteiles Siedlung/Oberort den Weg zum Wirt quer über die Gründstücke ab und in schneereichen Wintern sieht man eben diese Ortsbewohner auch manchmal mit ihren Langlaufschiern über diese Gründe zum Loipenanschluss stapfen.

Nr.5 - Der Weg Auerberg

Der Name Auerberg kommt vom seinerzeitigen alten Hausnamen am Haus Summerau Nr.56 (heute Oberort Nr.2). Auf diesem Haus ist zum Beispiel schon vor 1900 ein Pötscher am Auergut Summerau Nr. 56 angeführt.
Der Weg (siehe Bild), ausgehend von diesem Haus Oberort Nr.2, war seit je her der kürzeste Weg von Summerau Oberort nach Rainbach. Dieser Wegsteig, der meistbegangene Schul-, bzw. Kirchensteige Richtung Osten, verlief den steilen Auerberg hinunter in die Kranklau. Dabei querte er alle Gründe. Südlich, am Haus Kranklau Nr.6 vorbei, mündete der Weg neben dem Rainbach in die Summerauer Straße nach Rainbach. Diese Straße verlief damals noch über den „Tiefenweg“. Der Weg Auerberg ist bis zum Haus Kranklau Nr.6 noch heute ein Feldweg und ist ab da ein asphaltiertes Straßenstück zu der 1967 neu angelegten Straße Summerau-Rainbach.

Ehemalige Schüler, die diesen Weg benützt haben, wissen da viel zu erzählen:
Der Weg nach Rainbach zur Schule, aber auch zum Postbus, dauerte etwa eine dreiviertel Stunde gedauert. Der ereignisreichere Heimweg aber oft viel länger. Buben und Mädchen gingen meist getrennt den Schulweg. In der warmen Jahreszeit häufig barfuß. Da mussten dann in der Schule Socken über die schmutzigen Füße gezogen werden. Aber es gab auch noch die Holzbundschuhe (eine Holzsohle mit aufgenagelten Oberschuhen von alten abgetragenen Schuhen). Und im Winter, wenn der Schnee manchmal hüfthoch war, hatte man oft Gummistiefel angezogen und ist mit dem Schlitten den Auerberg hinunter gefahren. Die Schlitten wurden von den Schülern unten in der Kranklau stehen gelassen und wurden beim Heimgehen wieder mitgenommen. Oder die Schlitten wurden zur Turnstunde in die Schule mitgenommen. Dann wurde mit ihnen in der Turnstunde gemeinsam zur „Hintermühle“ abgefahren.
Meist getragene Hose für Buben war die „Lederpumphose“, eine lederne Knickerbockerhose.
Ja, und bei sehr schlechtem Wetter durfte man hin und wieder mit dem „Haberl-Milchfuhrmann“, mit dem Pferdefuhrwerk, mitfahren.
Als Schuljause haben die Eltern meist ein doppeltes Butterbrot und einen Apfel mitgegeben. Und nicht zu vergessen, in Rainbach haben „Daumerl“ und „Mirosch“ immer so gute Birnen gehabt!
Unten in der Senke vor dem Kranklauweg war bei Tauwetter immer eine „Kuhwampe“ (ein unterirdischer Wasserstau). Diese hat beim darüber gehen schön geschaukelt und dabei gesäuselt.
Und der Bereich der Einmündung in die Straße nach Rainbach war bei Tauwetter und starkem Regen samt Straße oft total überschwemmt. Da ist es schon vorgekommen, dass eine Schülerin mit ihrem neuen, mit Stolz getragenen Mantel, ins Wasser "gefallen" ist.
Im Bereich der Straßenkurve hier unten gab es auch den „Scherb-Weiher“. Sein Wasser war oft ganz schwarz, voller Kaulquappen. Da ist sogar einmal ein Schüler samt seiner Schultasche im Weiher gelandet. Einer der „Täter“ hat dann als Strafe die verwaschenen Schulhefte des Opfers nachschreiben müssen.
Überhaupt, Schüler aus dem Unterort sind eher selten über den Auerberg zur Schule gegangen, da dies von manchen Oberortschülern „nicht so gerne gesehen wurde“. Aber auch so hatten die Oberortschüler auf dem Schulweg häufig Raufhändel mit den Schülern vom Unterort, vom Bahnhof und mit den Rainbachern.
Aber eine „besondere, eigenartige Frau“ aus Zulissen ist immer über den Auerberg gegangen. Im Winter sogar mit Schiern, Schistöcken, einem langem Mantel und einer langer Pfeife im Mund! Die Oberortler Schüler haben vor dieser Frau, genannt "d´Höhbäurin", tiefe Ehrfurcht gehabt, ja manche hatten sogar etwas Angst.
Und nach dem Krieg stand lange Zeit, bei der unteren Kurve „Tiefenweg“, ein zurückgelassenes Panzerfahrzeug - natürlich damals ein willkommenes Abenteuerspielzeug für die Buben.
Im Winter war und ist der Auerberg für Kinder ein willkommener Hang zum Bob- und Schlittenfahren. Früher wurden zu diesen Abfahrten noch mehrere Ziehschlitten zu „Schlittenzügen“ zusammen gehängt und mit diesen versuchten die Kinder, möglichst „wild“ und weit, ohne Unfall, den Berg hinunter zu kommen.
Der Weg Auerberg wird auch heute noch gerne von Wanderern auf dem Weg von oder nach Rainbach benutzt. Auch wenn das erste Stück bei den Oberorthäusern sehr steil ist und es mittlerweile von Summerau nach Rainbach einen neben der Straße verlaufenden Rad- und Gehweg gibt.

Noch einmal das Ersuchen, uns Ergänzungen und Erzählungen zu den angeführten Steige mitzuteilen, damit wir unsere Aufzeichnungen korregiern und ergänzen können.

Verlauf und Beschreibung der Steige nach Gesprächen mit Stefanie Lonsing, Elfriede Pühringer, Franz Apfolter, Manfred Pelnarsch, Franz Fleischanderl im Jahr 2020 sowie meinen Erinnerungen.

Summerau
1950-1959
Fotos
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Verfasser

Ing. Johann Lonsing, Summerau Mitte 23, 4261 Rainbach i. M.

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