Krauttreten

Krauttreten.

Wenn um den 15. Oktober die Erntearbeiten zu Ende gingen, wurde das Kraut (Kohl) als letzte Ernte des Jahres eingebracht. Meistens war es um diese Jahreszeit schon kalt und nass. Da man dazumal (vor 1955) noch sehr viel Kraut und Kartoffel aß, wurde dementsprechend viel Kraut gepflanzt. Die Krautköpfe wurden vorerst auf der Tenne gelagert, ein Teil davon wurde aufbewahrt für den Krautsalat, der Großteil wurde zu Sauerkraut verarbeitet. Wenn die Temperaturen bis unter null Grad fielen, wurde es Zeit, dass man das Kraut von der Tenne wegräumte. Die Mutter und die älteren Schwestern schälten das Kraut aus, das heißt, sie entfernten den Stängel und die äußeren Blätter. Nun wurde der Krautkopf halbiert. Der Vater schnitt meistens mit dem Krautstock und eine Schwester mit dem Krauthobel. Es wurde soviel Kraut geschnitten, dass ein großer Steinbottich (120 mal 90 mal 70 cm) voll wurde. Wir Kinder mussten uns die Füße waschen und dann ging es zum Krauttreten.

Mutter gab einen Korb Kraut in den Bottich und wir Kinder sprangen hinein und begannen mit kleinen Schritten im Kreis zu gehen. Es kam nach jedem Korb Kraut, Salz, Kümmel und Korianderbeeren dazu. Das wiederholte sich so lange, bis der Bottich voll war. Wir Kinder marschierten so lange, bis der Krautsaft über die Füße zusammen rann. Dann wurden Bretter auf das Kraut gelegt und diese mit Steinen beschwert, damit unter Luftabschluss das Kraut zu Sauerkraut vergären konnte.

Wenn dann das Frischkraut zu Ende war, wurde das Sauerkraut gegessen. Es wurde dazumal sehr viel Sauerkraut und Kartoffeln gegessen, da man sonst nicht viel anderes am Speiseplan hatte. Im Frühling war dann der Bottich leer gegessen.

Kerschbaum
1953
Verfasser

Karl Leitner (1941-2020), Kerschbaum 1, 4261 Rainbach i. M.

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