Eine Zugfahrt ein Jahr nach dem Zeiten Weltkrieg

Eine Zugfahrt ein Jahr nach dem Zeiten Weltkrieg.

Ich kam 1946 aus der Schule. Meine Tante Efrim, eine Klosterfrau, lud mich ein, als Alten- und Krankenpflegerin nach Gmunden zu kommen. Weil ich unternehmungslustig war, trat ich die Reise mit dem Zug im Juli 1946 dorthin gleich an. Um drei Uhr in der Früh musste ich mit der Eisenbahn in Summerau wegfahren. Die Waggons waren in dieser Nachkriegszeit wackelig. Die Fenster und Türen schlossen nicht ordentlich. Zwei Stunden dauerte die Fahrt bis zur Eisenbahnbrücke über die Donau in Linz. Dort stiegen russische Soldaten ein. Sie kontrollierten bei jeder Person den Identitätsausweis, wobei alle aufstehen mussten. Wenn man unter 14 Jahre alt war, brauchte man einen Geburtsschein. Diese Kontrolle dauerte 45 bis 60 Minuten. Dann fuhr der Zug weiter über die Brücke. Nun begannen die amerikanischen Soldaten zu kontrollieren, aber nicht so streng. Darum dauerte es nur 15 Minuten. Ich hatte zu dieser Zeit das Glück, dass es noch nicht üblich war, jeder Person DDT- Pulver in den Nacken zu blasen. Jetzt ging die Fahrt weiter zum Bahnhof Linz.

Dort gab es keinen Wartesaal. Viele Leute saßen deshalb auf ihren alten abgeschundenen Koffern. Polizei ging durch, um die Gepäckstücke zu kontrollieren. Sie suchten nach "Hamsterwaren" (oftmals Lebensmittel). War dies der Fall, wurde es beschlagnahmt samt Koffer oder Tasche. Die Wartezeit auf den Anschlusszug war sehr lange. Über Lautsprecher wurde endlich mein Zug angesagt. Mit einer großen Menschenmasse ging ich über hölzerne Treppen im zerbomten Hauptbahnhof zu einem Gleis. Man drängte sich hinein. Die Waggons waren total überfüllt. Viele Leute standen mit ihrem Gepäck sogar noch auf den Podesten am Waggonanfang und Waggonende. Der Schaffner schloss nur mit Mühe die Eisenstange, die ein Hinunterfallen von diesen Podesten verhinderte. Der Schaffner konnte zwischen den vielen Menschen unmöglich durchgehen, um die Fahrkarte zu zwicken. Deshalb kontrollierte er erst beim Aussteigen die Fahrkarten. In Attnang musste ich nochmals umsteigen, was nochmals lange warten bedeute. Im Zug nach Gmunden war es dann etwas gemütlicher. Es war nicht ein solches Gedränge. Einen Sitzplatz bekam ich jedoch auch nicht. Um 17 Uhr kam ich dann endlich in Gmunden an.

Summerau
1946
Verfasser

Rosa Böhm
Summerau Mitte 22 (vorher: Summerau 99),
4261 Rainbach i. M.

Info

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