Berufe von damals in Deutsch Hörschlag

Berufe von damals in Deutsch Hörschlag.

Im Hause Haghofer, Hörschlag Nr.22 befand sich eine Tabak-Trafik. Bevorzugte Personen für die Führung einer Tabak Trafik waren Kriegsopfer, Soldatenwitwen, kindereiche Familien und schuldlos verarmte Beamte. Das Haus Hörschlag 22, Besitzer Kohut wurde im Jahre 1929 von Moritz Haghofer angekauft. Die Tabak Trafik wurde durch Frau Anna Haghofer übernommen und weitergeführt bis etwa 1965/68. Es gab verschiedene Zigaretten, Zigarren, Virginia, Tabak und Zigarettenpapier zu kaufen. Die Beschaffung, das sogenannte Fassen der Tabakwaren, erfolgte bei der Haupttrafik Luger in Freistadt.

Johann WAGNER, geb. am 22.11. 1878 in Kropfertschlag, später wohnhaft in Hörschlag 5, war Eisenbahner (Streckengeher von Kropfertschlag – Summerau) und nebenbei Weber. Er webte meist gröbere Leinwand bis 1952, dann übersiedelte er zum Sohn Johann Wagner Hörschlag 26, wo er am 18.06.1962 im 84. Lebensjahr verstarb.

Früher wurden die Kühe per Hand gemolken. Die Milch diente vielfach als Volksnahrungsmittel, nicht nur für Kinder. Aus Milch wurde auch Topfen und Käse für den Hausgebrauch gemacht. Um die Milch und den Rahm zu trennen, wurde die Milch mit einer Zentrifuge (Seperator) geschleudert. Der so erhaltene Rahm wurde, wenn nicht im Haus verwendet, ein willkommener Zuverdienst. Er wurde in Kannen zu 3 Liter bzw. 5 Liter gesammelt und an die Molkerei Freistadt geliefert. Viele Jahre sammelte die Payer Theresia (Resl, geboren 08.10.1912) von den Häusern aus Hörschlag den Rahm und transportierte ihn mit einem zweirädrigen Karren zur Sammelstelle nach Rainbach, wo er dann zur Molkerei Freistadt geliefert wurde. Im Winter erfolgte der Transport per Schlitten. Da der arme Resl diese Tätigkeit oft schwer zu schaffen machte, halfen ihr Schulkinder öfters bei dieser Aufgabe. Später wurden die Rahmkannen auf Milchkannen 10 Liter und 20 Liter umgestellt, denn es wurde die Milch ungeschleudert an die Molkerei geliefert. Die großen Kannen wurden für die Resl zu schwer und es übernahmen diesen Transport Pferdefuhrwerke. Die Payer Resl arbeitete danach im klösterlichen Mayrhof in Rainbach als Hilfskraft und kam dann wohl verdient in das Altersheim in Rainbach. Bis zum Tode, am 29.03.2002 konnte sie auch noch die Annehmlichkeiten im neuen Seniorenwohnheim St. Elisabeth genießen.

Roman Dini, geboren am 25.07.1900 in Leopoldschlag, kam 1935 nach Hörschlag 21(damaliger Besitzer Reindl "Zimmerseppn", ) und Hörschlag 19 (Reisinger "Jagsch"). Er war Eisenbahner und wurde nach einer längeren Krankheit (Magenoperation) von der Eisenbahn im Jahre 1938 pensioniert. Da er nicht untätig sein wollte und eine leichte Arbeit mit Zuerwerbsmöglichkeit suchte, fand er eine Tätigkeit durch Eierhandel. Während des 2. Weltkrieges wurden der Bestand an Tieren aufgenommen (Tierzählung) und es waren ein entsprechender Anteil abzuführen. So z.B. mussten auch die Anzahl der Hühner angegeben werden und je nach Anzahl der Tiere, mussten eine bestimmte Anzahl von Eiern (Anzahl und Gewicht) abgegeben werden. Roman Dini, ein großer Mann ging oder fuhr mit dem Fahrrad von Haus zu Haus und sammelte die Hühnereier ein, die er sorgfältig in seinen riesigen Buckelkorb legte und zur Sammelstelle, dem Kaufhaus Greul oder nach Kerschbaum, dem Gasthaus Affenzeller verbrachte. Die Eier wurden in Kisten zu 500 Stück zur Abholung durch die Molkerei bereitgestellt. Die Eier, so wie andere Lebensmittel konnten mittels Lebensmittelkarten erstanden werden. Ab 1. Juli 1953 gab es keine Lebensmittelkarten mehr und der abzuführende Pflichtanteil wurde eingestellt. Roman Dini hatte aber Freude an der Arbeit und kaufte weiterhin für die Molkerei Freistadt Eier ein. Am 08.12.1964 verunglückte er und verstarb noch im Rettungswagen.

Hörschlag
1950
Verfasser

Konsulent Franz Schimpl (geb.1944),
Lärchenfeld 1, 4261 Rainbach i. M.

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