Gemeinde-Verwaltung Rainbach im Mkr. - Teil 1 (bis 1960).
Von den Gemeinde-Amtsgeschäften in der Wohnstube zur deren Abwicklung in Kanzleiräumen
„Seit dem Bestand der politischen Gemeinden (1850) wurden die Verwaltungsaufgaben im Wesentlichen vom Bürgermeister selbst wahrgenommen. Die Wohnstube war großteils auch Amtsraum wie im Haus des ehemaligen Rainbacher Bürgermeisters Simon Fleischanderl. Die Gemeinderatssitzungen fanden damals im Gasthaus Greul (Maurerwirt) statt und die schriftlichen Agenden sind vom Bürgermeister oder einem schriftkundigen Beauftragten erledigt worden.“ „Der Gemeindediener fungierte als Sicherheits- und Ordnungsorgan.“(1) „Bei uns war dies Leopold Leitner, der für den Bürgermeister den Boten machte und Gemeindebewohnern schriftliche Verständigungen brachte. Samstags und sonntags musste er auch Sperrstunde machen. Dazu zog er eine Uniform an und ging in die Gasthäuser. Er hatte auch das Recht, Leute, die sich etwas zu Schulden kommen hatten lassen, zu verhaften und kurzzeitig einzusperren. Meist waren dies nur randalierende Betrunkene.“(2)
„Erst mit dem Anschluss an das Deutsche Reich (1938) wurde der erste beamtete Gemeindesekretär, dies war in unserer Gemeinde Josef Greul, angestellt, welcher die Amtsgeschäfte führte.“(1)
„Die Verwaltungsaufgaben sind ständig angewachsen und es wurden zusätzliche Kanzleikräfte benötigt. Mit 1.1.1939 kamen die Aufgaben des Standesamtes mit dem Ehe-, Geburten- und Sterbebuch zur Gemeinde, die Meldekarteien, das Heimatrecht als Basis für die Bundesbürgerschaft, anhängig daran im sozialen Bereich die Aufgaben aus der Deutschen Fürsorgeverordnung, Bewirtschaftung- und Lieferungskoordinationen für die Kriegsführung. Vom 14.3.1938 bis Kriegsende war Anton Umdasch, Schmiedemeister in Rainbach 62, Bürgermeister und Standesbeamter.“ (1)
Der ehemalige Raiffeisenbankleiter Johann Zeindlinger, Pfarrfeld 6, Rainbach i.M. (gestorben 2002), der kurze Zeit auch als Gemeindebediensteter arbeitete, berichtete: „Die Gemeinde hatte im Haus Rainbach Nr.77 (heute Kindergarten - Summerauer Straße 7) nur zwei Räume für ihre Amtsgeschäfte, einen, in dem der Gemeindesekretär und der Bürgermeister waren und einen, in dem der Parteienverkehr abgewickelt wurde.“ (2)
Nachdem im September die neu gebaute Volksschule in Betrieb gegangen war, entschied sich der Gemeindeausschuss, die Gemeindeverwaltung vom Gebäude Rainbach 77 (heute Kindergarten), wo nur 2 Räume dafür zur Verfügung standen, in das nun leerstehende alte Schulgebäude zu verlegen. In der Sitzung vom 1. März 1951 berichtete der Bürgermeister, welche Maßnahmen notwendig sind, um die alte Schule für die Verwendung als Amtsgebäude umzugestalten: die Unterteilung der Räume mit Heraklith, das Herabputzen des Hauses und das Streichen sämtlicher Fenster, die teilweise Legung von Fußböden und verschiedene andere Ausbesserungsarbeiten.
Durch den Umbau der alten Schule in ein Amtsgebäude entstanden im 1. Stock Räume für die Gemeindekanzlei und im 2. Stock der Sitzungssaal und ein Raum für die Aktenablage. Außerdem wurden je eine Wohnung im 1. und 2. Stock geschaffen. Die Wohnung im 1. Stock bekam Sekretär Karl Adam und die im 2. Stock Gemeindebeamter Otto Zeller.
Im ersten Stock hatte man für das Gemeindeamt das im Nordteil gelegene Klassenzimmer adaptiert. Es wurde in zwei Räume abgetrennt. Der kleinere Raum wurde vom Gemeindesekretär (damals Karl Adam) genutzt und auch vom Bürgermeister, wenn er ins Amt kam. Im größeren Raum arbeitete drei Gemeindebedienstete: "Otto Zeller als Buchhalter, Josef Hofstadler in der allgemeinen Verwaltung. Rudolf Zeindlhofer, dessen Verwendung als Hilfsdienst bezeichnet wurde, erhielt besondere Aufgaben übertragen. Wenn in einer Familie eine ansteckende Krankheit ausgebrochen war, musste über Weisung der Sanitätsbehörde die Wohnung desinfiziert werden. Ausgasen hat man das genannt. Wenn dies notwendig war, rückte Zeindlhofer aus mit Desinfektionsmittel (Formalin) und Gasmaske und waltete mit dem behördlichen Auftrag in der Hand seines Amtes." (3) "Die Funktion des Laienfleisch- und Tierbeschauer mit der Trichinenschau hatte auch Herr Zeindlhofer inne." (1) "Der „Donnerer“, der zu bestimmten Anlässen wie bei der Fronleichnamsprozession, bei Begräbnissen eines Kriegsveteranen usw. abgefeuert wurde, durfte nur von ihm bedient werden.
Josef Hofstadler wurde 1953 durch Karl Fröhlich aus Eibenstein ersetzt. Dieser wechselte aber nach ca. einem Jahr in die Verwaltung des seinerzeitigen Wagner Jauregg Krankenhauses in Linz. 1955 kamen für ihn zuerst Franz Hölzl aus Freistadt und dann noch Alois Preinfalk aus Eibenstein. Franz Hölzl wurde 1956 durch Alois Pammer (Sohn des damaligen Bürgermeisters in Leopoldschlag) ersetzt.
Alois Preinfalk, ein gebürtiger Eibensteiner, war hier von 1956 bis 1959 beschäftigt. Er weiß davon zu erzählen: „Jeder Bedienstete hatte eine Schreibmaschine. Es gab für die Buchhaltung sogar eine Rechenmaschine. Diese konnte jedoch nur addieren und subtrahieren. Sie gehörte nicht der Gemeinde, sondern dem ehemaligen Angestellten Hofstadler (arbeitete zu dieser Zeit schon am Gemeindeamt in Unterweitersdorf). Dieser hatte seinerzeit die Maschine unter von der Deutschen Wehrmacht zurückgelassenen Sachen gefunden. Zu meiner Zeit schaffte die Gemeinde dann selber eine sündteure Olivetti Rechenmaschine an, die außer addieren und subtrahieren nun auch multiplizieren konnte. Eine die auch dividieren hätte können, wäre damals um 10.000 Schilling noch teurer gewesen. So eine wollte man sich dann doch nicht leisten."(3)
„Etwa bis 1955 war es auch für die Gemeindebediensteten üblich, Sonntagsdienst zu haben. Dies war die Bevölkerung, neben dem Gang zur Kirche auch die Einkäufe und Amtsgänge wie das Einzahlen der Gemeindesteuern, Tierpassausstellungen, Lebensmittelkarten usw. zu erledigen, gewohnt."(1)
"Als anfangs der 1960er Jahre Karl Adam freigestellt wurde, war Alois Preinfalk, obwohl der Bezirkshauptmannschaft Freistadt dienstzugeteilt, aushilfsweise am Gemeindeamt beschäftigt. Zu dieser Zeit wurde der sehr kranke Rudolf Deibl aufgenommen. Das Team wurde durch Aushilfskräfte verstärkt und zwar arbeitete mehrere Jahre hindurch zeitweise Klara Schmolmüller aus Rainbach und auch Johann Pirklbauer aus St. Oswald.“(3)
Der nördlichen Teil des Erdgeschosses wurde auch von der Gemeinde genutzt. Westlich war ein Raum für Amtsdokumente, die man aufbewahren musste, straßenseitig ein kleiner Raum, der auch als Sitzungsraum genutzt wurde.
„Im südlichen Teil des Erdgeschosses hatte die Gendarmerie Rainbach von 1953 bis 1963 ihre Amtsräume.
Von der Haupteingangstür führt ein Gang zu einer Tür an der Westseite, durch die man damals zu einem Nebengebäude gelangte, in dem sich bis in die 1960er Jahre hinein eine Garage des Gemeindesekretärs, ein Holz- und Kohlenlager sowie ein Depot für verschiedene Maschinen (z. B. Baukompressor) und Geräte befand. Diese wurden von Gemeindearbeitern in erster Linie zur Straßeninstandhaltung benötigt.“ (3)
"Bis 1964 war auch noch an Samstagen Vormittag normaler Dienstbetrieb, welcher bis Ende 1966 auf Journaldienst eingeschränkt wurde. Die Wochendienstzeit endete am Samstag um 12.00 Uhr nach der Betätigung der Sirenenprobe.“ (1)
Quellen:
(1) Schimpl, Auburger - 2. Heimatbuch der Marktgmeinde Rainbach
(2) Heimatverein Rainbach i. M. - Vom Gleisdreieck bis zur Dorfglocke
(3) Erzählung von Alois Preinfalk, Freistadt
Fotos

Verfasser
Zusammengestellt von Helmut Knogler
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