Vor 100 Jahren am 1. Mai 1926 wurde die Volksschule Zulissen eröffnet.
Die Zulisser Kinder gingen ab Mai 1919 nicht mehr wie bis zu diesem Zeitpunkt üblich in Oberhaid zur Schule, weil nach dem 1. Weltkrieg die Tschechoslowakei ein eigener Staat wurde und Oberhaid eben nun im Ausland war.
Weil die Eltern den Kindern den weiten Schulweg nach Rainbach nicht zumuten wollten, fand zuerst im Haus Haider, Zulissen Nr. 1 der Unterricht statt, bis dann im neu errichteten Schulgebäude ab 3. Mai 1926 gelernt werden konnte.
"Die schönste Schule des Bezirkes Freistadt, die Filialschule in Zulissen, wurde Samstag, den 1. Mai, im Beisein einer Menge von Gästen, so der Herren Landesregierungsrat Mairzedt und Bezirksschulinspektor Hackl, Dechant Erba von Freistadt usw. feierlich eingeweiht und vom Bezirkshauptmann der Gemeinde Rainbach als selbständige Schule übergeben.
Mit einem Kostenaufwande von rund einer halben Milliarde Kronen wurde sie von der Gemeinde höchst zweckmäßig und schön gebaut und modern eingerichtet. Schön ist vor allem die Lehrerwohnung im ersten Stock; man wird selten ein Schulhaus finden, das alles Schöne und Angenehme zugleich vereinigt, soweit man es bei einer Landschule erwarten kann. Das Gebäude steht außerhalb der Ortschaft Zulissen frei auf einer sonnigen Anhöhe mitten in reiner, von Nadelduft durchwürzten Luft. Mit Recht haben der Herr Bezirkshauptmann und der Herr Schulinspektor sowie die anwesenden Gäste aus Lehrerkreisen dies als besonderen Verdienst des Herrn Bürgermeister Traxler und der Gemeindevertretung hervorgehoben. Franz Deibl, Gastwirt und Besitzer des Kellergutes in Zulissen, gab den Grund her. Die Schule hat einen Turnplatz und einen großen Gemüse- und Obstgarten.
Der erste Lehrer an dieser Schule war Herr Anton Wagner, der am 1. des Monats von der Volksschule in Rainbach, nachdem er jahrelang dort gewirkt und sich die Hochschätzung und Zuneigung von ganz Rainbach erworben hatte, nach Zulissen versetzt wurde.
Samstag, der 1. Mai 1926, war der Tag der Weihe und zugleich jener Tag, an dem in der Ortskapelle die erste heilige Messe gefeiert wurde. Von nun an wird nämlich dort an jedem Mittwoch eine Schulmesse sein. Kein schönerer Tag könnte uns beschert sein als dieser. Die Zulisser hatten sich zum Empfang festlich gerüstet. Die schön herabgeputzten Häuser trugen grünen Schmuck, Fahnen flatterten von den Giebeln. Den schönsten Schmuck trug innen und außen die Kapelle. Fleißige und freigebige Hände ermöglichten dies. Was der Altar trug, war alles neu und unter der Leitung des Handarbeitsfräuleins Rosa Leitner, von Zulisser Mädchen selbst verfertigt. Der ersten heiligen Messe, die Herr Pfarrer Ennsgraber las, wohnten die Herren aus Freistadt, Kooperator von Oberhaid, der Lehrkörper von Rainbach mit Herrn Oberlehrer Klopf, Herrn Oberlehrer Achaz von Oberhaid, bei dem die meisten Zulisser während seiner 35jährigen Lehrertätigkeit in die Schule gingen, die früheren Lehrer von Zulissen, Herr Treu und Herr Obergottsberger, Bürgermeister Traxler mit der Gemeindevertretung, Ortsschulratsobmann Greul aus Rainbach mit den Räten und der Gemeindearzt Dr. Zemann bei.
Die Musikkapelle von Rainbach spielte das Messlied. Ferner waren erschienen die Musik und Feuerwehr von Reichenthal, die Wehr von Oberhaid, Burschenverein und Kongregation von Rainbach. Die zahlreichen Vereinsfahnen gaben dem Kirchen- und Festzug einen prächtigen Rahmen. In Prozession zog man dann zum neuen Schulgebäude, dessen Vorplatz eine schöne Aufstellung gestattet. Dechant Erba von Freistadt hielt eine Ansprache, der die Gäste andächtig lauschten, daraufhin nahm er die Weihe des Hauses vor. Die Schulkinder zeigten durch einen gelungenen Einakter „Die Schulglocke“ unter der Leitung ihres Lehrers Johann Schwabegger, ihr Können. Schön war der Platz unter der großen Linde neben der Schule gewählt. Auf die Ansprache des Herrn Landesregierungsrates erwiderte Ortschulrat Hartl von Zulissen.
Im Hansbauer-Hause versammelten sich die geladenen Gäste zu einem einfachen Mittagessen, während sich die übrigen in die einzelnen Gastwirtschaften und Häuser verteilten. Erst am späten Nachmittag verließen die Auswärtigen das gastfreundliche Zulissen." (1)
Chronologie und Liste der unterrichtenden Leiter und LehrerInnen (2)
Seit 1785 besuchen Kinder aus Zulissen die Volksschule in Oberhaid
Am 30. Jänner 1919
Erlass des Bezirksschulrates Kaplitz: Verbot des Schulbesuches der Zulissener
Kinder in Oberhaid (Grund: Tschechoslowakei ist ein eigener Staat)
Am 2. März 1919
Einrichtung eines Notlehrzimmers im Haus Zulissen Nr. 1
Am 7. Mai 1919
Aufnahme des Schulbetriebs im Haus Zulissen Nr. 1 mit 40 Kindern - provisorischer
Leiter: Gottfried Haider
Am 15. April 1920
Beschluss über einen Schulneubau
Am 31. Dezember 1922
Gottfried Haider übersiedelt nach Leopoldschlag
Ab 1. Jänner 1923
Hr. Jungschaffer: provisorischer Leiter bis 30. April 1923
Ab 1. Mai 1923
Josef Treu: Leiter und Lehrer bis 30. April 1924
Ab 1. Mai 1924
Josef Obergottsberger: provisorischer Leiter bis 30. April 1926
während dieser Zeit: Neubau eines Schulgebäudes (Zulissen Nr. 49)
Am 22. Jänner 1926
Kollaudierung des neuen Schulhauses
Am 1. Mai 1926: (Samstag)
Weihe und Eröffnung des neuen Schulgebäudes
Am 3. Mai 1926
Beginn des Unterrichts im neuen Schulgebäude - Leiter: Anton Wagner (bis 15.
Oktober 1927)
Ab 16. Oktober 1927
Hermann Armbruster: neuer Leiter (bis 30. September 1933)
(24. - 30. November 1930: Leopold Pötscher mit der Leitung betraut)
Ab 1. Oktober 1933
Ludwig Gruber: neuer provisorischer Schulleiter
Am 31. Jänner 1935
Ludwig Gruber seines Postens enthoben
Am 1. Februar 1935
kehrt Hermann Armbruster an die Schule zurück
Am 10. Februar 1935
wird Hermann Armbruster nach Linz versetzt
Ab 11. Februar 1935
Franz Mittermayr - neuer provisorischer Leiter (bis 1. Juli 1938)
Am 2. Juli 1938
wird Franz Mittermayr als provisorischer Oberlehrer nach Oftering versetzt
Ab 3. Juli 1938
übernimmt Oberlehrer Otto KARL aus Oftering die provisorische Leitung der Volksschule Zulissen
Am 5. Februar 1943
rückt Oberlehrer Otto KARL zur deutschen Wehrmacht ein
Ab 6. Februar 1943
wird die Schule geschlossen - die Kinder müssen wieder die Schule in Oberhaid
besuchen (bis 16. September 1945)
Am 17. September 1945
Wiederaufnahme des Unterrichts an der Volksschule Zulissen - provisorische Lehrerin und
Leiterin: Josefine Lerch (bis 14. November 1945)
Ab 15. November 1945
übernimmt Frau Grete Karl die provisorische Leitung
Am 10 März 1946
kommt Otto KARL aus der Kriegsgefangenschaft zurück und erhält 14 Tage
Heimkehrerurlaub
Am 10. April 1946
wird Otto KARL als provisorischer Leiter an die Volksschule Reichenthal versetzt - Margarete Karl
führt als provisorische Oberlehrerin in Zulissen den Schuldienst weiter
Am 31. August 1949
wird Margarete Karl ihrer Dienstleistung als Vertragslehrerin und provisorischen Leiterin
enthoben
am 1. September 1949
tritt Hermann Ecker seinen Dienst als provisorischer Oberlehrer an der Volksschule Zulissen an
(bis 21. Oktober 1949)
Ab 22. Oktober 1949
Thomas Lang - neuer provisorischer Leiter der Volksschule Zulissen
Von 29. April bis 9. Juni 1959
Erkrankung von Thomas Lang - Vertretung: Jakob Kokus aus Rainbach
Am 31. August 1962
tritt Thomas Lang nach 13 Jahren an der Volksschule Zulissen in den Ruhestand
Ab 1. September 1962
Leiter: Franz Weingartner (bis 31. August 1964)
Ab 1. September 1964
Leiter: Wolfgang Mayer (bis 31. August 1970)
Ab 1. September 1970
Leiter: Friedrich Zeindlinger (bis 31. August 1976)
Am 9. Juli 1976 letzter Schultag an der Volksschule Zulissen
(In den 1970er Jahren sanken die Schülerzahlen, weil die Kinder nach der 4. Klasse in die Hauptschule Rainbach oder gar ins Gymnasium gingen und eine Volksschuloberstufe nicht mehr gebraucht wurde. Durch die Einführung der Schülerfreifahrt konnten nun auch die anderen Kinder gratis mit dem Bus nach Rainbach in die Volksschule fahren. Dies waren die Gründe, warum die Zulisser Schule mit Ende des Schuljahres 1975/76 am 9. Juli 1976 ihre Pforten schloss.)
Quelle (1): Mühlviertler Heimatblatt - Mai 1926
Quelle (2) = Liste der Lehrer in der VS Zulissen
Zusammengestellt von Hubert (1948-2023), Summerauer Str. 29, 4261 Rainbach i. M.
Fotos
Verfasser
(1) Mühlviertler Heimatblatt - Mai 1926
(2) Zusammengestellt von OSR Hubert Kolberger, Summerauer Str. 29, 4261 Rainbach i. M.
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