Die Heilquelle im „Eibensteiner Holz"

Die Heilquelle im „Eibensteiner Holz".

Wohl viele kennen das Riendlhäusl im „Eibensteiner Holz“ rechts der Straße von Eibenstein nach Reichenthal. Das etwas im Wald versteckte Haus ist noch heute im Besitz der Familie Grundemann-Falkenberg zu Schloss Waldenfels in Reichenthal.

Vielleicht haben auch manche vom angeblich heilkräftigen Wasser dort gehört.

Die Menschen aus der Umgebung sollen das zu allen Jahreszeiten konstant +4 Grad Celsius kalte „Heilige Brunnenwasser“ beim Riendlhäusl schon von alters her als Heilmittel rege genutzt haben. Dabei wurde das Wasser getrunken, damit den Körper gewaschen, darin gebadet, oder sogar das Wasser in Gefäßen mit nach Hause genommen. Und so wie auch bei anderen Heilquellen, haben wahrscheinlich auch hier die Menschen aus Dankbarkeit Votivbilder und Kreuze angebracht, wenn diesem Wasser Heilerfolge zugeschrieben werden konnten.

Die gräflichen Besitzer zu Waldenfels haben aber erst um 1700 begonnen, diese ihre Quelle kommerziell zu nutzen. Dazu wurde vom Linzer Apotheker Carolus Josepho Pöller ein Gutachten erstellt und in seinem 1756 dazu erschienenen Buch 16) abgedruckt.

Dieses Buch hatte den klangvollen Titel:
„Unterricht von dem, unter der Gräflichen Grundherrschaft Waldenfels in Österreich ob der Enns befindlich – zur Trunck – und Baad – Kur dienend – heilsam – sogenannten Riendl-Wasser.“

Darin wird über das in der Farbe etwas milchige Heilwasser und das Bründl als senkrechtem Rundschacht mit einem Meter im Durchmesser bei etwa zwei Meter Tiefe sowie einem konstanten Wasserstand bei einer Schüttung von 46 Hektoliter pro Tag beschrieben. In diesem Werk findet sich auch eine Aufzählung der Leiden für welche das Riendl-Wasser als Trinkkur und Bad vortrefflich wirken und heilsam sein sollte. Nach Untersuchungen besonders für Lunge, Husten, Magen, Leber, Gedärm, Wassersucht, Bleichsucht bei Jungfrauen, überflüssigem Weiß(-fluss) bei Frauen und Samenfluß bei Männern, fiebrigen und anderen krankhaften Zuständen, zum Beispiel beim Ausbleiben der monatlichen Reinigung der Frauen oder heftigem Überfluss derselben. Aber auch bei Hämorrhoiden der sogenannten „goldenen Ader“.

Zur Bekräftigung dieser Heilwirkungen sind vom damaligen Pfleger der Herrschaft Waldenfels auch etwa 40 Heilberichte von Untertanen aus der Umgebung angeführt. Diese haben sich dabei auch zu einer Beeidigung ihrer Aussagen bereit erklärt.

Dazu als Beispiel der angeführte Heilbericht eines 47-jährigen Bewohners von Eibenstein. Der führte an, dass er drei Jahre lang an beiden Füßen ein „Weh-tagen“ gehabt habe, ohne dass die Füße offen oder geschwollen gewesen wären. Mit dem Waschen im Sommer mit dem kalten Riendl-Wasser habe solcher „Wehe-tag“ nach und nach aufgehört. Weiters habe er an der linken Seite, nächst der Hüfte, Schmerzen gelitten. Und weil er das Riendl-Wasser eben im Sommer kalt getrunken habe, sei er solche Schmerzen nach und nach auch losgeworden. Damit beschließe er seine Aussage, die er sich bei Bedarf auch zu beeidigen getraue.

Abgehört und dokumentiert am 24. Oktober 1754 vom Pfleger der Herrschaft Waldenfels.

Weiters sind in diesem Buch des Herrn Apothekers aus Linz auch gleich eine sehr detaillierte Kur- und Anwendungsanleitung sowie die Verkaufspreise für die versiegelten Flaschen mit Heilwasser abgedruckt. Da kostete zum Beispiel eine Flasche mit einem Inhalt von einem Maß (1,42 Liter) in der Verkaufsstelle Linz 17 Kreuzer, beziehungsweise in der Verkaufsstelle Wien 24 Kreuzer.

Wie erfolgreich die kommerzielle Vermarktung des Riendl-Heilwassers war und wie lange das Quellwasser zu Heilungszwecken genutzt wurde, oder noch wird, kann hier nicht exakt beantwortet werden.

Neuere Untersuchungen haben ergeben, dass dieses Wasser kaum mehr Spurenelemente besitzt als andere Wasser in unserer Gegend.

Aber sicher ist, dass durch die heutige moderne Medizin und den verbesserten Zugang zu ärztlicher Versorgung die Wertigkeit und Anwendung von „Heilwassern“ eine ganz andere ist, als in frühen Zeiten.

Quellen:
Buch „750 Jahre Eibenstein – Unser Dorf und seine Bewohner im Gange durch die Zeit“
2012 verfasst von Gerhard Weichselbaum.
Buch und Gutachten vom Apotheker Carolus Josepho Pöller 1756 - Bibliothek des O.Ö. Landesarchiv J/579

Eibenstein
früher
Fotos
bild1.jpg
Riendl-Häusl im „Eibensteiner Holz“ Ansicht: Nord-Ost; Bildleihgeber: Gerhard Weichselbaum, Eibenstein 34, 4261 Rainbach i.M.
bild2.jpg
Deckblatt Buch des Apothekers Carolo Josefho Pöller. Bildleihgeber: Gerhard Weichselbaum, Eibenstein 34, 4261 Rainbach und das Landesarchiv O.Ö.
Verfasser

Ing. Johann Lonsing, Summerau Mitte 23, 4261 Rainbach i. M.
Im Jahr 2026 sinngemäß überarbeiteter Beitrag aus dem Buch "750 Jahre Eibenstein" von Gerhard Weichselbaum, Eibenstein 34, 4261 Rainbach i.M.

Info

Falls Sie zu diesem Thema Ergänzendes erzählen wollen oder Fotos zur Verfügung stellen können, dann teilen Sie uns dies bitte schriftlich oder per E-Mail mit. Wir sind gerne bereit Ihren Beitrag oder das/die Foto/s hier zu publizieren.

Jedwede Veröffentlichung dieses Artikels, auch auszugsweise, darf nur mit Erlaubnis des Autors (der Autorin) geschehen.
Bei Verwendung der Fotos ist zu bedenken, dass diese eventuell urheberrechtlich geschützt sind.