Badetage in den Ferien an der aufgestauten Feldaist

Badetage in den Ferien an der aufgestauten Feldaist.

Die Sommerferien bestanden auch darin, auf dem elterlichen Bauernhof zu helfen. Die Pflänzchen der Kartoffeln, Rüben und Burgunder mussten gepflegt werden. Falls kein Regenwetter war, egal ob heiß oder bewölkt, rückte die ganze Familie nach dem Mittagessen aus, um die Raine von Unkraut zu befreien. Alle mit einer Haue bestückt, nahmen wir Aufstellung. Links und rechts von Papa die zwei kleinen Brüder Otmar und Hansi. Papa half den beiden immer aus, dass sie nicht hintaus kamen. Fritz an Roa, den nächsten ich, danach Maria, Mami und Lisi. Mami unterstütze Lisi. Maria arbeitete so schnell, dass Papa öfters sagte: „He, ned so schnöll, do wochst jo des ganze Gros hinter dir weida!“ Einmal auf und ab schafften wir 16 Roa.

Bis drei Uhr mussten wir durchhalten. Danach bekamen wir frei und durften bei Schönwetter unsere Badesachen packen. Wir brauchten eh nur ein Handtuch. Schnell eilten wir zur aufgestauten Feldaist oberhalb der Bruckmühle. Hansi und Otmar im Schlepptau. Wir waren immer viele Kinder: d´Hoda Buam, Kopölla Buam, Poxrucker Renate, Riener Pauli und Helmut, Leopoldn Buam, und Traudi, Birklbauer Gerti und Ingrid, Mühna Edith, Löxn Gerti, Roswitha und Evi.

Das Wasser war oft sehr kalt. So passten wir auf, dass die kleinen Kinder nicht allzu blaue Lippen bekamen. Die Größeren sprangen von der Feldaistbrücke ins Wasser. Es wurde geplanscht, geschwommen, getaucht und viel getümpfelt. Dann lagen wir auf der Wiese und horchten Musik von den tragbaren Kofferradios. Wer ein solches besaß, war komplett „in“. Sonnencreme gab´s keine. Unsere Haut war sowieso braungebrannt. Wir hielten die Sonnenstrahlen aus. Die Greul Maria hatte schon eine Nivea Creme mit, zum Einschmieren.

Falls das Wetter nicht so schön war und wir aus dem kalten Wasser stiegen, entfachten die größeren Buben ein Lagerfeuer. Die ganze Kinderschar wurde beordert, im Löxnholz Reisig zu sammeln. Somit hatte der Löxn immer ein aufgeräumtes Holz! Das tat gut, sich beim Feuer aufzuwärmen. Auf Spat machte sich dann der Hunger bemerkbar. Auch damit wussten wir uns zu helfen. Oberhalb des Weges hatten beim Bayer und Reindl ein Erdäpfelfeld und einen Möhrenacker. Ein paar Stauden ausreißen und ausgraben fällt eh nicht auf, waren wir uns alle einig. Die Bratkartoffeln im Feuer schmeckten einmalig. Die knackigen Möhren ebenso. Den Durst löschten wir beim Auslauf des Augrabenbaches.

In manchen Jahren hatten wir etliche Badetage. Dann fehlten auch viele Erdäpfelstauden. Da rückte dann die alte Frau Bayer an und hielt und eine große Strafpredigt. Etliche Tage waren wir sehr brav und nahmen von zuhause ein Stück Brot mit. Angst hatten wir schon, dass die Bayerin unsere Eltern informiert. Trotz ihrer Grantigkeit hat sie das Gott sei Dank nie getan.

Ende Juli und im August bekamen wir Konkurrenz auf unserem Badeplatz, die Voest- Erholungskinder. Wir verwünschten diese Bande. Überlegten, wie wir sie vertreiben könnten. Das war unser Revier! Trotzdem trauten wir uns nicht, ihnen etwas anzutun. Des Öfteren gingen wir jetzt zur Hintermühle. Dort war auch die Feldaist aufgestaut. Das Problem war hier, dass wir in den Bereich eindrangen, den die Siedlung innehatte und wir ziemlich unerwünscht waren. Ab Mitte August war dann sowieso meistens Schluss mit der Baderei. Die Nächte wurden schon kühler.

Alles in allem genossen wir unser Paradies in den Ferien. Schwimmen erlernten wir selber, ohne Schwimmflügel. Wir vermissten keinen Badestrand am Meer oder großen See. Unsere Eltern vertrauten uns die kleinen Kinder an. Wir waren verantwortlich, dass keiner ertrank - Gott sei Dank überlebten wir alle!

Rainbach i. M.
1960-1969
Fotos
badespass-an-der-aufgestauten-feldaist.jpg
Badespass an der aufgestauten Feldaist - Bildleihgeber: Johann Hofbauer, 4222 Luftenberg
Verfasser

Anna Wagner,
Windhaag bei Freistadt
(geb. Röbl / Steinkellner aus Rainbach)

Info

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